Künstlerin Ulrike Arnold hält Manuela Dolf und Gesine Wächter ein Ausstellungsstück hin, das sie ertasten konnten

Besonderes Kunst-Erlebnis: Blinde Menschen sehen mit den Händen

Kaarst · Wie sehen Blinde Kunst? Ein Aha-Erlebnis der besonderen Art hatten jetzt seheingeschränkte Mitglieder der „Kaarster Blind-Gänger“ in der Ausstellung „Zwischen Erde und Unendlichkeit“ im Kunstraum des Gewerbeparks Süd in Hilden (noch bis 18. Januar). Für den Transport sorgte Willi Rauschenberg vom ehrenamtlichen Fahrdienst „Helfende Engel“ im Netzwerk des Vereins „Kaarster helfen“.

Der Besuch dieser Ausstellung war besonders geeignet, weil die abstrakten Werke der Düsseldorfer Künstlerin Ulrike Arnold allein mit Naturmaterialien aus der Landschaft vor Ort gemalt werden. Steine werden zerkleinert und mit Sand und Bindemittel auf die Leinwand gebracht. Die Oberflächen sind also Künstlerin Ulrike Arnold (r.) hält Manuela Dolf und Gesine Wächter (v.l.) ein Ausstellungsstück hin, das sie ertasten konnten. Foto: Brinkmann nie glatt, sondern haben eine fühlbare Struktur. An Musterstücken konnten die Sehbehinderten die Flächen erfühlen – weil Blinde mit dem Tasten der Fingerspitzen „sehen“.

Im Gespräch vor Ort wurde aber schnell deutlich, dass blind nicht gleich blind ist. Nicht alle sind blind geboren. Die Kaarster Ausstellungsbesucher haben ihre Sehkraft in der Kindheit oder im Laufe des Lebens verloren. Parallel haben sie andere Sinneskräfte trainiert, wie etwa das Ertasten oder auch das Riechen. In der Ausstellung rochen die Besucher an einem Bild mit Erde aus Island. Die Künstlerin hatte dort mit Material aus einem schwefelhaltigen Tümpel gearbeitet. Und auch nach Jahren hat sich der schweflige Geruch erhalten. Ulrike Brinkmann, Mitglied des Runden Tisch Inklusion Kaarst, hat diesen besonderen Besuch organisiert und begleitet. Mit dabei war auch Prof. Dr. Siegfried Saerberg aus Münster, bis 2025 am Lehrstuhl der Disability (Behinderung) Studies in Hamburg. Er ist selbst sehbehindert und an neuen Formen der Kunstvermittlung interessiert.

Ulrike Arnold bereist die Welt und malt überall mit den Erden vor Ort abstrakte Bilder, die selber wiederum als Erdbilder die Essenz einer Landschaft wiedergeben. Aus ihrem Atelier hat Arnold eine Vielzahl von Leinensäckchen mit Steinen und Erden in die Ausstellung mitgebracht. Die blinden Besucher konnten mit ihren Fingern in die Säckchen greifen und die verschiedenen Inhalte erfühlen. Als Clou hatte die Künstlerin ein Säckchen Meteoriten-Staub mitgebracht. Ein Meteoriten-Forscher aus den USA, der von jedem Fund eine Scheibe an die NASA schicken muss, hat die Späne beim Sägen aufgefangen und der Künstlerin geschenkt.

Aber auch die sehenden Besucher in der Gruppe konnten von den Blinden lernen. Denn diese nutzen mit ihrem Smartphone eine App, die mithilfe von KI die Umgebung beschreibt. Das ist besonders wichtig für die mit Drohnen gemachten Wüsten-Fotos von Victor van Keuren, die ja nicht ertastet werden können. Da waren wiederum die Künstler ba! erstaunt, wie genau die KI ihre Werke beschreiben kann.

17. Januar 2026 —von Heribert Brinkmann, Foto: Heribert Brinkmann

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Telefon: (02131) 66 77 08 
kontakt@kaarster-blind-gaenger.de
Emanuel Stadler
Telefon: (02131) 5 32 89 65
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